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EU-Glühbirnenverbot Stand: 05.01.2009
Pressemitteilung von report MÜNCHEN,
05.01.2009
Sinnlos und
gefährlich – Mediziner und Klimaforscher warnen vor
EU-Glühlampenverbot
(München) Nach
Recherchen des ARD-Politmagazins report MÜNCHEN steht das
Glühlampenverbot der Europäischen Kommission im Kreuzfeuer
wissenschaftlicher Kritik. Da das Glühlampenverbot der EU vor
allem zugunsten von Energiesparlampen geht, warnt der
Schlafforscher Dieter Kunz, Chefarzt an der Psychiatrischen
Universitätsklinik der Berliner Charité, vor möglichen
Gesundheitsrisiken. Ihm zufolge wirke der hohe Blauanteil im
Lichtspektrum vieler Energiesparlampen wie ein Wachmacher auf den
menschlichen Körper. Denn das bläuliche Licht unterdrücke das
Schlafhormon "Melatonin". Wenn die Sparlampen also künftig
allabendlich die Wohnzimmer erleuchten, könnte dies auf Dauer die
"innere Uhr" im menschlichen Organismus durcheinander bringen, so
Kunz gegenüber report MÜNCHEN: "Störungen der 'inneren Uhr' führen
zu Störung in jedem Bereich der Medizin. Wir wissen, dass das zum
Beispiel Einfluss hat auf Tumorerkrankungen, aber auch auf
Herzinfarkte, Depressionen und eine ganze Reihe von andere
Erkrankungen." Tagsüber sei blauhaltiges Licht dagegen
ungefährlich, als "Takter für die innere Uhr" sogar sehr gut für
die Gesundheit. Aber: "Wenn dies in der Nacht gegeben ist, ist das
das falsche Signal an die innere Uhr."
Professor Heinrich
Kramer, Lichtdesigner an der Universität Aachen, ist sogar davon
überzeugt, dass auch die neuen Energiesparlampen, die ein wärmeres
Licht versprechen, das bedenkliche Blau in ihrem Spektrum
enthalten: "Es ist und bleibt immer der selbe Blauanteil in der
Lampe drin und der schädigende Anteil bleibt eben auch der
gleiche. Es ist ganz unabhängig von der Art der Lichtfarbe, die
ich kaufe, ob warm-weiß oder neutral-weiß oder Tageslicht-weiß."
Der Zentralverband
Elektronik und Elektroindustrie (ZVEI) bestätigt gegenüber report
MÜNCHEN, dass "Licht mit höherem Blauanteil eher wach macht".
Allerdings sei aus Sicht des ZVEI "für einen natürlichen
Melatonin-Zyklus die Art des Leuchtmittels zu Hause weniger
relevant als die Intensität des verwendeten Lichts". Die
EU-Kommission sieht auch weiterhin keine Gesundheitsrisiken durch
Energiesparlampen. Der ZVEI rät allerdings vorsichtshalber: "Wer
dennoch den Eindruck hat, dass Energiesparlampen zu
Einschlafstörungen führen, kann an deren Stelle Halogenlampen
einsetzen."
Kritik am
Glühlampenverbot kommt auch von Klimafolgenforschern. Professor
Ottmar Edenhofer, Chefökonom des Potsdam-Instituts für
Klimafolgenforschung und Ko-Vorsitzender im Weltklimarat,
bezeichnet den Brüsseler Beschluss im Interview mit report MÜNCHEN
als "Unfug". "Das Verbot der Glühbirne ist blinder Aktionismus und
zeugt von einer Regulierungswut, die der Klimapolitik kaum hilft.
Denn es geht jetzt nicht darum, den Bürgern etwas zu verbieten
sondern nach Möglichkeit den Bürgern Anreize zu schaffen, die sie
dafür belohnen, wenn sie herausfinden, wo man am günstigsten und
billigsten CO2 vermeidet.". Dies könne vor allem der
CO2-Emissionsrechtehandel der EU gewährleisten, so Edenhofer. Im
Gegensatz zum Glühbirnenverbot könne man bei diesem Instrument
sicher sein, dass tatsächlich alle Emissionen sinken.
Auch im Zentrum
für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim hält man
das EU-Verbot für nutzlos. Laut dem ZEW-Klimaökonom Holger Löschel
würden eventuelle CO2-Einsparungen durch das Verbot der Glühlampen
und den Einsatz von Energiesparlampen am Ende durch die
Marktmechanismen des Emissionshandels komplett kompensiert.
Löschel gegenüber report MÜNCHEN: "Durch das Glühlampenverbot wird
in Europa keine Tonne CO2 eingespart werden." Man habe mit dem
Emissionsrechtehandel in Europa bereits ein sehr gutes Instrument,
das eine Obergrenze für CO2-Emissionen festlegt. "Wenn nun durch
das Glühlampenverbot weniger Strom nachgefragt wird, führt das
dazu, dass die Stromerzeuger weniger von diesen
Verschmutzungsrechten benötigen; genau diese werden aber andere
Branchen aufgreifen und in der Summe bleiben die Emissionen an CO2
die gleichen." Emissionsrechtehandel und Glühlampenverbot
zusammen, das funktioniere nicht, sagt Löschel: "Ökologisch ist
das Glühlampenverbot vollkommen wirkungslos."
Diese
Pressemitteilung ist frei verwendbar unter Quellenangabe „report
MÜNCHEN“.
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